Castello del Buonconsiglio monumenti e collezioni provinciali

Castello di Stenico

Glocken

Während des ersten Weltkrieges wurden auf Initiative der österreichischen Regierung fast alle Glocken aus der Region um Trient requiriert und nach Österreich transportiert, um dort eingeschmolzen zu werden und um das daraus gewonnene Metall für kriegerische Zwecke einzusetzen.
Glücklicherweise wurde dieses Vorhaben nicht vollendet, und so gelang es dem Landeskonservator, Giuseppe Gerola, am Ende des Krieges mit unendlicher Mühe einige Glocken wieder zu finden und diese den einzelnen Kirchen zurückzugeben. Etwa zwanzig von ihnen wurden von den Kirchengemeinden nicht zurückgenommen, da bereits neue vorhanden waren, andere waren gesprungen, beschädigt und somit unbrauchbar, andere wiederum konnten nicht mehr an ihren ursprünglichen Standort zurückgebracht werden, weil dieser in Vergessenheit geraten war.
Diese Glocken bilden also eine bedeutende Sammlung, die es ermöglicht, zumindest teilweise, ihre Geschichte im Trentino nachzuvollziehen und dabei Formen, Dekors, Herstellungstechniken sowie die Tätigkeit der Glockengießer kennen zu lernen, die in der Region und den nahe gelegenen Gebieten gearbeitet und gewirkt haben.

Die ältesten Glocken der Sammlung – und des Gebietes Trentino-Südtirol – gehen bis auf das 14. Jahrhundert zurück. Sie sind klein und haben eine längliche Form, sie haben keine schmückenden Verzierungen und sind versehen mit dem Kreuzsymbol und der Inschrift: „XPS VINCIT XPS REGNAT XPS IMPERAT“ („Christus siegt, Christus regiert, Christus leitet“). In dieselbe Zeit (1401) gehört die Glocke aus dem Castello di Stenico.
Die Bronzeglocken aus dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert tragen Inschriften und religiöse Anrufungen, ornamentale Verzierungen – Blumen und Pflanzen, Putten, Engel – und religiöse Szenen wie die Madonna mit dem Kind, die Kreuzigung und Heiligenfiguren.
Die Glocken aus dem achtzehnten Jahrhundert sind reich mit Inschriften, naturalistischen Ornamenten und schmückenden Verzierungen wie z.B. dem Salbeiblatt versehen. Dieser Pflanze wurden nämlich heilende, ja geradezu magische Kräfte zugeordnet, so dass sie als Symbol für Heil und ewiges Leben zur Geltung gelangte.

Die Technik des Gießverfahrens von Glocken aus Bronze wird um das 15. Jahrhundert perfektioniert. Es werden fast einwandfreie Exemplare hergestellt, welche aufgrund ihrer Form und der korrekten Proportionen von Höhe und Durchmesser zueinander eine hohe akustische Qualität erlangen.
Das Verfahren ihrer Herstellung ist sehr komplex. Zunächst wird ein Kern aus Ziegeln und Ton gemauert, welcher der inneren Glockenform entspricht. Darauf wird eine erste Lehmschicht aufgetragen, danach weitere Schichten aus Spezial-Lehmsorten bis die Dicke der Glocke (Modellglocke) erreicht ist. Auf diese geglättete Oberfläche werden Verzierungen und Inschriften aus Wachs aufgemalt. Dann wird der Ton, der den Glockenmantel bildet, aufgebracht. Das Modell wird von innen mit brennenden Kohlen aufgeheizt, die das Schmelzen des Wachses erleichtern, wobei im Glockenmantel die Abdrücke zurückbleiben.
An diesem Punkt wird der Glockenmantel abgehoben und die Modellglocke abgeschlagen. Sobald der Glockenmantel über den Kern gesetzt ist, wird die geschmolzene Bronze eingegossen. Es ist dies der heikelste und beeindruckendste Augenblick. Beim Ausruf „In Gottes Namen“ oder „Heilige Maria“ dringt die Gussmasse in das Innere der Form. Nach dem Abkühlen, wird die Glocke, nachdem sie vom Kern losgelöst ist, gesäubert und poliert.