Castello del Buonconsiglio monumenti e collezioni provinciali

DIE GROSSEN WEGE DER KULTUREN

25/01/2011

Beziehungen zwischen dem Mittelmeerraum und dem Zentrum Europas
Von der Vorgeschichte bis in die Römerzeit

Trient, Castello del Buonconsiglio 1. Juli 2011 – 13. November 2011

 

München, Archäologische Staatssammlung , 15. Dezember 2011 – 27. Mai 2012

Pressemeldung

Und wir glauben, etwas Neues erfunden zu haben!

Dieser Gedanke schießt den Besuchern dieser herrlichen Ausstellung spontan durch den Kopf (über 400 Fundstücke, davon viele absolut einzigartig), die im Castello del Buonconsiglio in Trient ausgerichtet und vom Direktor des Museums, Franco Marzatico, sowie von Rupert Gebhard, Direktor des Münchner Museums, und von Paul Gleirscher, Konservator des Museums von Klagenfurt, kuratiert wird.

Themen wie Mobilität, Verkehr von Menschen, Gütern, Ideen vom multikulturellen Charakter der globalen Welt, sind gewiss keine Themen, die nur die Gegenwart betreffen. Es sind Realitäten mit denen sich der Mensch – Reisender und Entdecker par excellence – im Laufe der Jahrtausende in Europa wie im Rest der Welt auseinandergesetzt hat. Diese faszinierende Ausstellung erzählt durch eine Auswahl kostbarer archäologischer Zeugnisse, die aus mehr als 50 italienischen und ausländischen Museen und Ämter für Denkmalpflege stammen, vom Austausch und den weit gefächerten Beziehungen, die die Entwicklung der Kulturen in Europa durch die Weitergabe von Wissen bis zur Verschmelzung mit Lebensmodellen und Lebensstilen geprägt haben. Ein dichtes Spinnennetz von Wegen zwischen dem Mittelmeerraum und dem Zentrum Europas, dessen Fäden sich in ständigem Werden verknüpfen und wieder trennen, haben dazu geführt, dass ferne, unterschiedliche Territorien und Kulturen eine Reihe von Gemeinsamkeiten aufweisen.

Die Ausstellung folgt den tausendjährigen Spuren dieses ausgedehnten und komplexen Gewebes ab der Zeit als sich - sowohl südlich wie nördlich der Alpen - die Ausdrucksformen der Kunst und die Figuren der sogenannten Muttergottheiten verbreiteten, bis in die Zeiten des Kosmopolitismus und der Globalisierung des römischen Imperiums.

Entlang den verschiedenen “Wegen der Kulturen” bewegen sich nicht nur Waren, sondern auch Menschen mit ihren Glaubensauffassungen, Sprachen, die teils lokalen Ursprungs, teils aus dem Orient auf den “Alten Kontinent” gelangt sind.

Abgesehen von den konkreten Spuren des Handels, der durch Rohstoffe und exotische Erzeugnisse bezeugt ist, folgt die Ausstellung den abenteuerlichen Innovationen, die Verhaltensweisen und Ideen verändert haben.

Bereits in vorgeschichtlicher Zeit legen Rohstoffe und handwerkliche Erzeugnisse auf den Schultern der Menschen, auf Schiffen, auf dem Rücken von Tieren oder – nach Erfindung des Rades – auf den ersten Karren beeindruckende Entfernungen zurück. Auf der Basis von Austausch und Handel festigen sich die ersten sozialen Unterschiede.

Schon bald verlangt der Rang nach äußeren Zeichen der Zugehörigkeit, und damit beginnt die Suche nach Statussymbolen, die genauso wertvoll wie exklusiv und exotisch sein sollen.

Doch übertriebener Reichtum löst auch Raubzüge, Invasionen und Migrationen aus, die teilweise durch diplomatische Vermählungen und strategische Bündnisse befriedet werden können.

Neue Erkenntnisse von der Landwirtschaft bis zum Hüttenwesen, aber auch Fragen der Kochkunst und Aspekte, die mit der Ideologie der Festbankette verbunden sind, verbreiten sich in Europa.

Formen und Ideen beeinflussen unterschiedliche Völker. Es können sowohl Archetypen wie die weibliche Fruchtbarkeit oder der Mann als heroischer Krieger und Athlet sein, als auch Tierfiguren, Ausdruckformen der künstlerischen Darstellung von Tieren, die in bestimmten Gebieten florieren, Ikonografien von Schiffen, der Sonnenwagen, der Lebensbaum, die Bilder vom Herrn oder der Herrin der Tiere, die – auf verschieden Untergründen festgehalten - durch ihre Kraft und Schönheit überraschen. Dann die rätselhaften Tafeln der Bronzezeit, die goldenen Sonnenscheiben, die Totenmasken, die Votivgaben und Astragale als Zeugnisse der Verschmelzung von Kulten und von Beeinflussungen.

Und schließlich die Verbreitung der alphabetischen Schrift von den Phöniziern bis zu den Griechen, den Etruskern, den Alpenvölkern bis hin zur Vorherrschaft des Lateinischen.

Die außergewöhnlichen Fundstücke, die in dieser einzigartigen Ausstellung gezeigt werden, erzählen eine Geschichte, die aus Übereinstimmendem, aber auch aus “Gegensätzen” besteht, aus Formen des “Andersseins”, die einzelne Gebiete kennzeichnen. Letztendlich ist der heute so viel diskutierte Begriff der Glocalization kein völlig neues Konzept.